Ein spätes Erstsemester

Ich studiere neuerdings wieder. Aber ich wollte es eigentlich niemandem erzählen.

Ich würde auch niemandem erzählen, falls ich seit Neuestem ins Fitnessstudio gehe. Ebenso wenig teile ich mit, wenn ich ein Buch beginne zu lesen. Noch schweigsamer werde ich, falls ich gedenke eins selbst zu schreiben.  „Wie läufts mit dem Roman“, nein das fragt mich keiner. Weil es keiner weiß. 

Denn aus Erfahrung kann ich bei Vertragsabschluss im Fitnessstudio schon vorausagen, dass ich die Hanteln rechts und links liegen lassen werden und die Sauna die Einzige ist, die mich schwitzen sehen wird. 

Nein, den Genuss gönne ich meinen Mitmenschen auf Facebook nicht, wenn sie herausfinden, dass der Post nur ein leeres Versprechen war und ich eigentlich schon wieder in meiner Couchritze klemme. 

Erst wenn ich bei einem Wrestling Championship im Schwergewicht gewinne, gebe ich vielleicht meine Anfangs-Ambitionen zu. Ja okay ich geh seit nem Jahr zu Mrs. Sporty und jetzt bin ich INGO DER ZERSTÖRER RRRAAAARRRRRRR.

Jedem Anfang liegt bei mir nicht nur ein Zauber inne, sondern halt auch ein wahrscheinlicher Abbruch.

„Follow Through“ war schon immer mein Problem. Heute begreife ich aber langsam, dass die andere Spur im Stau nicht gut ist. Dass die neu aufgemachte Kasse nicht die bessere ist. Dass der vorbeilaufende Boy, der mir Aufmerksamkeit schenkt, nicht der Beste ist.

Nun ist ein Studium keine Fitness oder Supermarktkasse und erst recht kein einzelnes Buch. Und so hatte ich trotzdem eigentlich nie vor, jemandem von meinem Masterstudium zu erzählen. Ich wollte es einfach machen. Und Dank Corona (huch, das hört man selten) klappte es überhaupt. Der Lockdown und das Auftrittsverbot als Comedian erinnerten mich daran, was ich schon immer vorhatte: eine bessere Künstlerin als gestern zu sein. 

Seit Jahren arbeite ich als Freelancer. Positives Feedback gibt es da nur in der Form von „Ok, wir buchen dich“. Jetzt in völliger Freiheit konzeptionell arbeiten können, ist ein neu entdecktes Privileg. Zum ersten Mal höre ich, nicht wie man etwas besser verkauft, sondern wie man die Kunst verbessert. Jetzt in meinem ersten Semester habe ich ein Comicheft geschrieben und gezeichnet, ein Corona Foto-Tagebuch verfasst und eine Posterkampagne in Berlin gestaltet. Und ich war nicht einmal analog an der Uni!

Wie ein schlechtes Buch lege ich nun auch mein kleines Ego beiseite und werde euch hier und da berichten, was ich an der Weißensee Kunsthochschule Berlin so alles lerne. Also, falls ich es durchziehe!